Die Amtsfluencer der Stadt Hamburg: Stefan Ladewig Himmer über Amt, Algorithmus, Authentizität

Wie baut eine Stadtverwaltung ein Corporate Influencer Programm auf – mit zwei Personen, knappem Budget und 80.000 Beschäftigten im Hintergrund? 800.000 Impressions im ersten Jahr, echte interne Wirkung und klare Learnings zur Fluktuation.

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Die Amtsfluencer der Stadt Hamburg

Wir, Sophie und Alex, haben heute Stefan Ladewig Himmer zu Gast, Online- und Content-Redakteur im Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg, der gemeinsam mit einer Kollegin das dortige „Amtsfluencer-Programm“ aufbaut und betreut. Stefan teilt im Gespräch seine Erfahrungen aus dem Programmstart Mitte 2024 mit einer ersten Gruppe von 17 Teilnehmenden, der Fluktuation auf aktuell neun aktive Amtsfluencer sowie dem frisch gestarteten zweiten Durchgang. Im Mittelpunkt stehen Fragen der internen Überzeugungsarbeit, des Community Managements, der Erfolgsmessung und der inhaltlichen Ausrichtung, und warum sich Corporate Influencing in der Verwaltung weniger von der freien Wirtschaft unterscheidet, als man denken würde.

Fünf wichtigste Erkenntnisse

  • Corporate Influencing in Behörden und Verwaltungen ist strukturell vergleichbarer mit Unternehmesprogrammen als erwartet: Überzeugungsarbeit, interne Abstimmung und Ressourcenfragen stellen sich ähnlich.
  • Transparente interne Kommunikation von Anfang an ist entscheidend: Amtsleitungen, Pressestellen und Entscheidungsträger müssen vorab informiert und eingebunden sein.
  • Intensive und kontinuierliche Begleitung – monatliche digitale Stammtische, Einzelgespräche, Reflexionsgespräche nach einem Jahr – ist kein Nice-to-have, sondern Erfolgsfaktor.
  • Diversität bei der Auswahl zahlt sich aus: Berufsgruppen, Geschlecht, Herkunft und Hierarchiestufe sollten bei der Teilnehmerauswahl aktiv berücksichtigt werden.
  • Agenturunterstützung lohnt sich vor allem am Anfang, wenn intern kein tiefes Programm-Know-how vorhanden ist – besonders in Organisationen mit wenig Social-Media-Erfahrung.

Drei größte Wins

  • 800.000 Impressions in einem Jahr mit nur rund 6.000 Followern der Amtsfluencer – deutlich effizienter als klassische Personalmarketing-Maßnahmen wie Zeitungsanzeigen.
  • Spürbare interne Wirkung: Kollegen werden intern angesprochen, Mitarbeitende melden sich als Interessierte für das Programm – organisches Employer Branding von innen.
  • Die zweite Programmrunde wurde intern genehmigt – ein klares Signal, dass Führung und Personalamtsleitung den Mehrwert anerkennen.

Drei Gefahren oder Risiken

  • Fluktuation ist real: Von 17 Startenden blieben nach einem Jahr neun aktiv. Wer das nicht einplant, verliert schnell die Programmkontinuität.
  • Ressourcenknappheit gefährdet die Betreuungstiefe: Zwei Personen für ein vollständiges Programm inklusive Unternehmensaccount, Workshops und Community Management ist sportlich.
  • Ohne klare interne Kommunikation entsteht Misstrauen: Führungskräfte, die nicht wissen, was ihre Mitarbeitenden auf LinkedIn tun, werden früher oder später zum Hindernis.

Drei typische Fehler

  • Community Management unterschätzen: Wer nach der Schulungsphase abbricht, verliert die Teilnehmenden – das ist kein Einmalprojekt.
  • Zu breite Kanalstrategie zu früh: LinkedIn zuerst zu fokussieren war eine bewusste und richtige Entscheidung- andere Kanäle wären mit zwei Personen nicht seriös zu betreuen gewesen.
  • Programm ohne strategischen Rahmen starten: Wer nicht vorab definiert, was das Programm leisten soll und wen es ansprechen will, verliert schnell die Orientierung.

Bemerkenswert

Stefan wird gefragt, wie er persönlich in die Rolle des Amtsfluencer-Betreuers geraten ist. Seine Antwort ist ehrlich entwaffnend: „Ich kannte das gar nicht, ich war bei LinkedIn, aber eher so inaktiv.“ Und dann, ganz klassisch Verwaltungslogik: Die Chefin sagte, wir machen das jetzt. Stefan fing im Oktober 2024 an – und war ab Tag eins mittendrin im ersten Workshop. Manchmal braucht es keine Berufung, sondern einfach gutes Timing und eine entschlossene Vorgesetzte.

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